Im Kern der März-Erklärung von Bürgermeister Mario Russo steht nicht nur ein Steuerstreit, sondern ein offener Konflikt über die Arbeit des kommunalen technischen Amtes UTC. Die von Ex-Bürgermeister Giacomo Perrotta geführte Gruppe Scalea Oltre kündigte am 13. März an, jeden Akt des UTC und jede öffentliche Ausschreibung genau zu prüfen. Ihre Mitteilung verband diese Kontrolle mit Kritik an alten, „unklaren“ Methoden und einer Warnung vor „offenkundig rechtswidrigen Vorgängen“. Einen konkreten rechtswidrigen UTC-Akt oder den Beleg für eine förmliche Anzeige nannte sie jedoch nicht. Russo erwiderte am 18. März, die Opposition bewerfe das Amt mit Schmutz, versicherte die Rechtmäßigkeit der Arbeit von UTC und Rathaus und forderte Perrotta auf, bekannte Rechtsverstöße bei den zuständigen Stellen anzuzeigen.
Die Auseinandersetzung hatte mindestens einige Wochen zuvor beim Projekt Villa Comunale begonnen. Am 20. Februar 2026 beschloss die Stadtregierung mit Beschluss Nr. 32 eine Variante für Arbeiten mit einem Volumen von 2,5 Millionen Euro. Scalea Oltre erklärte, dies sei keine technische Notwendigkeit, sondern eine politische Umschreibung des Vorgängerprojekts: Busbahnhof, Mehrzweckplatz, Amphitheater und moderne Fontäne würden gestrichen und die gesamte ministerielle Förderung gefährdet. Die Stadt entgegnete, Zweck der Förderung nach Gesetz Nr. 145/2018 sei vor allem die Minderung hydrogeologischer Risiken; in Betonkonstruktionen fest eingebettete Asbestzementplatten hätten die Änderung erforderlich gemacht. Nach Angaben der Stadt bleibt der Etat von 2,5 Millionen Euro unverändert. Die Variante sehe die Sanierung des Gefahrstoffs, den Erhalt des historischen Brunnens und die Nutzung von Gebäuden für Stadtpolizei und Touristeninformation vor.
Das Vorhandensein von Asbest ist dabei nicht der eigentliche Streitpunkt. Perrotta räumte Asbest in zwei Gebäuden ein, wandte jedoch ein, der ursprüngliche Entwurf habe den Abriss beider Bauten vorgesehen; einen davon bezeichnete er zudem als nicht genehmigt. Deshalb erkläre der Asbest aus seiner Sicht nicht, warum die Bauten erhalten und umgenutzt werden sollen. Die Stadt hält dagegen, gerade die feste Einbettung des Asbests habe ein besonderes Entfernungsverfahren und eine Projektänderung verlangt. Ohne ein veröffentlichtes unabhängiges Fachgutachten lässt sich aus den Berichten nicht feststellen, welche Lösung technisch zwingend war; belegt ist, dass beide Seiten für dieselbe Gefahr unterschiedliche Lösungen beschreiben.
Gestritten wird auch darüber, wer die Unterlagen kannte und wo die Konfrontation stattfinden soll. Die Stadt erklärte, die Opposition habe am 23. Februar eine scharfe Mitteilung veröffentlicht und erst am Folgetag unter Protokoll Nr. 6430 Zugang zu den Variantenunterlagen beantragt. Perrotta erwiderte, die ursprünglichen Projektakten lägen ihm vor; die neuen Unterlagen habe er auch angefordert, um mögliche Unteraufträge zu prüfen. Die erste Einladung zu einer öffentlichen Debatte lehnte er ab, da er dem Bürgermeister keine Bühne für eine laute politische Inszenierung bieten wolle. Stattdessen schlug er eine Sitzung des Bauausschusses unter Beteiligung von Opposition, Auftragnehmer und RUP, dem Verfahrensverantwortlichen, vor. Russo erneuerte am 18. März seine Einladung und bot Ort, Zeit und Moderator nach Perrottas Wahl an. In den bis zum 4. September 2026 geprüften öffentlichen Quellen findet sich kein Bericht, dass die Debatte oder die vorgeschlagene Ausschusssitzung stattfand.
Der politische Hintergrund erklärt die persönliche Schärfe. Perrotta war bis Dezember 2024 Bürgermeister. Dann beendete der gleichzeitige Rücktritt der absoluten Mehrheit der Ratsmitglieder die Amtszeit; ein Präfekturkommissar übernahm. Annalisa Alfano, heute Mitglied von Russos Stadtregierung, gehörte bei der Genehmigung der Machbarkeitsstudie 2022 zu Perrottas Verwaltung und später zu den zurückgetretenen Ratsmitgliedern. Russos Verwaltung betont, der endgültige Ausführungsentwurf sei erst am 28. Januar 2025 vom Kommissar genehmigt worden; Perrotta wirft der heutigen Führung vor, ein in seiner Amtszeit entwickeltes Konzept zu demontieren. Mario Russo wurde im Mai 2025 zum Bürgermeister gewählt, Perrotta sitzt nun in der Opposition.
Die angekündigte Kontrolle des technischen Amtes führte bald zu einem weiteren konkreten Streit. Am 24. März beanstandete Scalea Oltre Arbeiten an der Viale Europa im Wert von 133.000 Euro, die nach ihren Angaben direkt vergeben worden waren. Vor Ort entsprächen Gehwege, Entwässerung, versetzte Leuchten und Geländer bislang nicht dem Projekt. Russo antwortete noch am selben Tag, die Arbeiten seien nicht beendet, kein Baufortschrittsnachweis genehmigt und keine Zahlung geleistet worden; das Ergebnis dürfe erst nach Fertigstellung und technischer Prüfung beurteilt werden. Auch hierzu enthalten die zitierten Quellen keinen unabhängigen Prüfbericht, sondern die Vorwürfe der Opposition und die Antwort des Bürgermeisters.
Steuern und Umwelt bilden nur den nachgeordneten Teil des März-Streits. Scalea Oltre wertete die mögliche Auslagerung der kommunalen Steuerverwaltung als Versagen und warnte vor härterer Eintreibung sowie möglichem Klientelismus. Russo begründete die Überlegung mit strukturellen und personellen Engpässen und warb für einen „Steuerfrieden“ mit Raten und Erleichterungen, soweit das Gesetz dies zulässt. Im Video schreibt er seiner Verwaltung außerdem einen Anstieg der Mülltrennung von 36 auf 45 Prozent sowie Mittel für Schulen, Deponie und weitere Projekte zu. Ohne gesonderten amtlichen Beleg bleiben diese Zahlen und Bewertungen zugeschriebene Aussagen von Bürgermeister oder Opposition, keine unabhängigen Feststellungen.
Entscheidend ist daher nicht, welcher Politiker die schärferen Worte wählte, sondern ob vollständige Akten, Fachgutachten, Variantenhaushalt, mögliche Unteraufträge und Abschlusskontrollen veröffentlicht werden. Aus den bislang gefundenen Quellen geht weder hervor, dass die Förderung von 2,5 Millionen Euro entzogen wurde, noch dass eine zuständige Stelle ein rechtswidriges Vorgehen des UTC feststellte oder eine Seite eine förmliche Anzeige zu diesen Aussagen dokumentierte. Das beweist nicht, dass es keinen solchen Schritt gibt; es markiert die Grenze dessen, was zum 4. September 2026 öffentlich überprüfbar war.

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